Vom 1. Juli an sollen die rund 20 Millionen Rentner in Deutschland etwas mehr Geld bekommen. Bundesarbeitsminister Franz Müntefering kündigte an, die Renten sollten um 0,54 Prozent steigen - nach drei Nullrunden in den Jahren zuvor.
Umgerechnet seien dies auf ein volles Jahr 1,2 Mrd. Euro, die zusätzlich an die Rentner flössen, sagte der SPD-Politiker am Mittwoch in der ARD. Müntefering räumte ein: "Das ist nicht viel, aber das ist Ausdruck der positiven Entwicklung bei Wachstum und Löhnen im vergangenen Jahr." Bei einer Standardrente von 1100 Euro/ Monat bedeutet die Erhöhung um 0,54 Prozent monatlich 5,94 Euro mehr.
Ob die Rente auch 2008 steigen wird, ließ Müntefering offen: "Das kann man erst sagen, wenn man das ganze Jahr hinter sich hat." Es komme drauf an, ob mehr Menschen beschäftigt werden. Die Berechnung der Renten orientiert sich an der durchschnittlichen Lohnentwicklung. Man könne allerdings "zuversichtlich" für die kommende Zeit sein, machte Müntefering den Rentnerinnen und Rentnern Hoffnung.
Die Bundesregierung war bisher in ihren Prognosen davon ausgegangen, dass Rentenerhöhungen frühestens im Jahr 2009 anstehen. In den Jahren 2005 bis 2008 wären rein rechnerisch sogar Rentenkürzungen fällig gewesen. Sie wurden aufgrund einer Schutzklausel aber in Nullrunden umgewandelt.
Die Arbeitgeber sind gegen eine Erhöhung der öffentlichen Rentenzahlungen. Wie die Financial Times Deutschland berichtet, sprach sich die Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände (BDA) trotz der guten konjunkturellen Entwicklung gegen eine Rentenerhöhung aus. Angesichts der Finanzlage der Rentenversicherung sei es "nicht möglich, sofort beim ersten größeren Lohnwachstum die Renten wieder anzuheben", hieß es.
Grund für die ablehnende Haltung ist das Defizit in der Rentenversicherung. "Dieses Defizit würde bei einer Rentenerhöhung von 0,6 Prozent um rund 600 Mio. Euro auf rund 2 Mrd. Euro steigen. Die Rücklage müsste entsprechend abgeschmolzen werden", hatte BDA-Sozialexperte Alexander Gunkel gesagt.